Naziübergriff verschwiegen, wegen weggedrückter Kamera verurteilt

Auf ovb online findet sich seit gestern (24.02.) ein Artikel mit der Überschrift „Demonstrant attackierte Polizistin“. Ein 20-jähriger Abiturient aus Kolbermoor musste vor das Aiblinger Jugendgericht da er bei einer Demo gegen Nazis seine Hand vor die Linse der auf einem Dreibein montierten Bullenkamera gehalten hatte und anschließend diese zur Seite drückt haben soll. Trotz heruntergeklappten Einsatzhelm konnte sich die Polizistin angeblich nur durch eine Ausweichbewegung vermeiden, von der „weggeschlagenen“ Kamera ins Gesicht getroffen zu werden. Weshalb der Demonstrant natürlich sofort „zu Boden gebracht“ und verhaftet werden musste. Tja da hat wohl die Ordnungsszelle Bayern wiedereinmal zugeschlagen.
Interessant ist aber nicht nur das totalitäre Vorgehen der Staatsmacht, sondern auch ein Nebensatz in dem Artikel: „Der Verteidiger des Angeklagten erklärte auch, warum sein jugendlicher Mandant überhaupt an der Münchner Gegendemo teilgenommen habe. Vor einiger Zeit sei dieser von Rechtsradikalen als angeblich Linker verfolgt und in den Mangfallkanal geworfen worden. Nur durch Zufall habe dieser den Zwischenfall überlebt, aber seitdem sei der Angeklagte überzeugt, dem Treiben „bestimmter Gruppierungen“ Paroli bieten zu müssen.“
Dieser offensichtlich brutale Naziübergriff wurde allerdings offensichtlich von der Polizei und oder der Lokalpresse bisher nicht öffentlich gemacht. Nazisaktivitäten werden in der Region ja gerne mal verschwiegen. “Rechts wegschauen, links weghauen – das umreißt die Polizeistrategie am 19. Februar. Die Polizei hat sich auf das Verprügeln der Blockierer konzentriert” so beurteilte eine Sprecherin von Dresden-Nazifrei die Polizeistrategie anlässlich des Naziaufmarsches in Dresden am vergangenen Wochenende. In Oberbayern scheint “Rechts wegschauen, links weghauen“ nicht eine einmaliges Polizeieinsatzkonzept zu sein sondern kontinuierliche Praxis.